„Austausch, Zusammenarbeit und Themen für Hochschulleitungen und -politik sichtbar machen.“

Dr. Nicole Wöhrle leitet am Rechenzentrum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg die Abteilung E-Learning. Seit der Gründung des HND-BW (Hochschulnetzwerk Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg) engagiert sie sich dort als Expertin für digitale Lehre. Von 2016 bis 2019 war sie gemeinsam mit Frau Holstein Sprecherin des hochschulspezifischen Arbeitskreises der Universitäten und arbeitete in verschiedenen Themengruppen mit. Seit 2020 vertritt sie die Interessen der Universität Freiburg im Expert*innenkreis des HND-BW.
Wo stand die Universität Freiburg und das HND-BW vor 10 Jahren in Bezug auf Digitalisierung und digitales Lernen?
Ein Alleinstellungsmerkmal in Baden-Württemberg war sicherlich damals die hohe Anzahl an berufsbegleitenden Online-Studiengängen der Universität Freiburg. Dieser Vorsprung war vermutlich auch der Grund dafür, dass das Ministerium damals auf die Universität zuging: .
2016 koordinierte die Universität Freiburg das „Fachkonzept E-Learning“ und führte im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) eine Erhebung bei allen Hochschularten durch: Welche Themen sind für die Digitalisierung der Lehre relevant? Neben der Zusammenstellung inhaltlich relevanter Themen war eine Antwort eindeutig: Es bestand ein klarer Wunsch nach einem hochschulartenübergreifenden Netzwerk für eine produktive Zusammenarbeit, um Vorschläge für Fördermaßnahmen gebündelt an das MWK heranzutragen.
In der Anfangsphase des HND-BW fanden einige Netzwerktreffen statt, die einen konstruktiven Austausch ermöglichten. Allerdings sind wir einige male über unsere eigenen Ansprüche gestolpert. Die Erwartungen an das Netzwerk waren hoch, und obwohl Ressourcen verfügbar waren, gestaltete sich die hochschulartenübergreifende Einigung auf gemeinsame Prioritäten als schwierig.
2019 wurde die Arbeit effektiver, als sich das HND-BW auf die 9 Landesuniversitäten reduzierte. Besonders wichtig waren in dieser Phase Frau Dr. Rehm (CIO der Universität Stuttgart) und Herr Prof. Wanner (Vizepräsident Lehre am KIT), die den Mehrwert des Netzwerks erkannten und sich nachdrücklich für dessen Fortführung aus Eigenmitteln der Landes-Universitäten einsetzten.
Mit dem HND-BW haben wir die Möglichkeit dem MWK konkrete Ideen und Impulse zu liefern, um zu klären: Wo benötigen Hochschulen Strukturen und Ansätze für die Digitalisierung, um sich zielgerichtet, didaktisch fundiert und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln? Das heutige HND-BW hat sich zu einer wichtigen und verlässlichen Anlaufstelle für die Förderung von Innovationen entwickelt. Besonders erfolgreich war die Zusammenarbeit im Bereich der Projekte. Davon profitiert auch die Universität Freiburg, da der Austausch mit anderen Universitäten immer wieder wertvolle Impulse liefert.
Was hat sich Ihrer Wahrnehmung nach in den letzten Jahren im Bereich Digitalisierung getan und inwiefern hat das HND-BW dazu beigetragen?
In den letzten zehn Jahren hat sich im HND-BW viel bewegt:
Wir haben Positionspapiere erarbeitet, uns stärker untereinander vernetzt und das Bewusstsein für das Thema Digitalisierung über den Lenkungskreis in alle Hochschulleitungen getragen. Das HND-BW fungiert als gebündeltes Sprachrohr und sendet damit ein wichtiges Signal aus: Keine Universität muss sich mehr allein mit diesem großen Thema beschäftigen, sondern wir stehen als starker Verbund da – offen für auch Input aus anderen Hochschularten.
Aus diesem Netzwerkcharakter heraus gelang es uns in den letzten Jahren, auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu meistern, das uns alle förmlich überrollt hat. Die Universität Freiburg und das KIT koordinierten gemeinsam – ohne Fördermittel – die Online-Weiterbildung „Basismodul KI“ und brachten es zur Umsetzung. Dieses Modul ist bereits über Baden-Württemberg hinaus bekannt und im Einsatz zur Erfüllung der Schulungspflichten im Kontext des KI Verordnung der EU. Das zeigt: Es geht nicht immer nur um Finanzen oder Ressourcen, sondern die tatsächliche gemeinsame Interaktion ist etwas, von dem alle profitieren.
Auch im „Dialogprozess“ wurden in den letzten Jahren viele gute Ideen gesammelt, aus denen erfolgreiche Projekte entstanden sind. Das aktuellste Beispiel ist der „bwOpenSourceLMS“, bei dem es uns gelungen ist, das Land davon zu überzeugen, dass Lernplattformen kontinuierliche Pflege benötigen. Dass wir für dieses Projekt Fördermittel erhalten, um als Hochschulen einen Handlungsspielraum für den Betrieb quelloffener Systeme zu haben, steht ganz im Sinne der digitalen Souveränität.
Welche Entwicklungen und Kompetenzen werden Ihrer Wahrnehmung nach künftig eine zentrale Rolle für Digitalisierung spielen?
In den letzten Jahren konnten wir an der Universität Freiburg durchweg positive Entwicklungen verzeichnen – insbesondere im Bereich der elektronischen Prüfungen, wo wir uns stetig weiter verbessern. Das Thema Künstliche Intelligenz (KI) berührt uns natürlich massiv in allen Bereichen und stellt alle Hochschulen vor große Herausforderungen. Um Lösungsansätze zu erproben, läuft bei uns aktuell ein internes Projekt, bei dem 15 kleinere Vorhaben gefördert werden. Dieses Vorgehen gibt uns einen Pilotraum, um zu testen, welche Tools sich in zentralen Strukturen sinnvoll einbauen lassen und wo spezifische Lösungen für einzelne Fakultäten oder Fachbereiche vorteilhaft sind.
Zu diesen und weiteren relevanten Themen der digitalen Lehre ist das HND-BW aktiv und sorgt dafür, dass die Universitäten untereinander im Austausch bleiben, relevante Themen in die Hochschulleitungen getragen werden und der Dialog mit dem MWK aufrechterhalten wird.
Aus meiner Sicht ist das bisher sehr erfolgreich gelungen – ich bin persönlich sehr zufrieden und stolz auf das Erreichte. Besonders überzeugt mich die 2-Ebenen-Struktur des HND-BW, bestehend aus Expert*innenkreis und Lenkungskreis, die sich gegenseitig den Ball zuspielen und so Themen vorantreiben. Genau das war auch meine Vision bei der Gründung des Netzwerks: Themen sichtbar zu machen, als Ansprechpartner*in offen zu sein und wichtige Impulse in die Hochschulleitungen zu tragen und eng mit dem MWK im Kontakt bleiben. In dieser Hinsicht haben wir unser Ziel voll erreicht.
Das Interview wurde geführt von Emily Möbs am 24.03.2026.
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